Seelenerkundungen mit zwei Schwestern

Foto: Winkler

von Jan Renz (Kreiszeitung Böblingen, Montag, 9. Mai 2011)

Liederabende sind normalerweise keine Massenereignisse. Am Samstag hieß es allerdings im Bürgersaal des Rathauses: „Wir haben keine Stühle mehr." Denn man kennt die beiden Sängerinnen in Weil im Schönbuch gut.

 

 WEIL IM SCHÖNBUCH. Ihr Konzert war ein Aufbruch in die Natur, eine Reise durch die deutsche Romantik und eine Premiere: Zum ersten Mal gestalteten die Schwestern Feli­citas und Judith Erb einen gemeinsamen Liederabend, und das wollten viele hören.

 Liederabende und Lieder sind oft Seelen­erkundungen, und finden deshalb meist im intimen Kreis statt. Da das Lied so richtig in der Romantik aufblühte, konzentrierten sich die Schwestern ganz auf die deutsche Romantik: Ihr Programm reichte von Spohr über Schumann und Mendelssohn bis zu Hugo Wolf.

 Die Schwestern eröffneten den Abend augenzwinkernd mit Meister Brahms. „Wir Schwestern zwei", hieß das Lied, und wurde zum Motto des Abends. „Wir singen Hand und Hand", heißt es hier. Die Schwestern Erb verstehen sich hörbar, so unterschied­lich die Stimmen sind: Judith Erbs Stimme ist etwas fülliger und dunkler, Felicitas Stimme dagegen sehr höhensicher. Sie treten oft in einen Dialog, mischen sich noch öfter ununterscheidbar. Ganz verinnerlicht ge­stalteten sie das dunkel bewegte Lied „Die Meere" von Brahms, das die Schönheit und Melancholie besitzt, die man von dem Nord­deutschen kennt. Brahms liebte das Volks­lied, und das hat in seinem Werk Spuren hinterlassen, nicht nur in über 200 Liedern. Lieder für zwei Frauenstimmen sind aller­dings etwas seltener. „Wir Schwestern zwei" oder „Die Meere" hört man nicht allzu oft. Das Meer wird hier verbunden mit Liebestö­nen.

 Nähe zwischen Natur und Seele

 In der Romantik spielt die Natur eine wichtige Rolle: Sie steht nicht für sich, son­dern spiegelt Seelisches wider. Das aufge­wühlte Meer entspricht der aufgewühlten Seele. Diese Nähe von Natur und Seele prägte den Abend, und die Schwestern lie­ßen sich darauf ein.

 Bei Schumann und Wolf etwa hörte man Frühlingsjubel („Er ist's"), dringlich gesun­gen. Nur einmal wurde es drastisch: „Wir küssen uns die Lippen wund", heißt es in einem Hugo Wolf-Lied („So ist die Lieb"). Mit den meisten Liedern vertreten war Louis Spohr, einer der ersten deutschen Romantiker, zu Lebzeiten berühmt und ver­ehrt, heute vernachlässigt. Seine Romantik überstrahlte die Musik vieler Kollegen.

 Die Erb-Schwestern werden demnächst eine CD mit Spohr-Duetten produzieren, deshalb wohl dieser Schwerpunkt. Die Du­ette erfüllten die Schwestern mit Leben. „Ermunterung" besteht eigentlich nur aus einem Satz, der wiederholt wird: „Die Welt ist schön." In einem anderen heißt es: „0 selige Liebe, seliges Glück". Die Musik setzt das schön um, klingt aber oft etwas gefällig-gefühlig. Brahms oder Schumann erreicht sie nicht. Trotzdem sollte man Spohr ken­nen. In seinen besten Momenten begeistert sich Spohr am Text, schwingt sich auf und reißt den Hörer mit („Das Herz"). Im schön­sten Lied, „Ruhe", wird Seelisches gestaltet: „Wenn der letzte Abend scheinet", heißt es dort. Mit diesem Naturbild ist natürlich auch der Abend des Menschen gemeint.

 Das war auch schon fast das Ende des Liederabends, der eine Erkenntnis brachte: Das Lied, so kurz es ist, kann viel enthalten. Die Schwestern begaben sich in die Lieder hinein, sangen nie unbeteiligt, immer verinnerlicht, wenn es um Leiden und Leiden­schaft ging, auch mit feinem Feuer. Bei all diesen Liedern spielt das Klavier eine wich­tige Rolle, es gestaltet mit, ist nicht mehr nur Begleiter.

 Die Pianistin Doriana Tchakarova unter­stützte die zwei Schwestern so sensibel, dass man am Ende fast drei Schwestern zu hören meinte. „So ein schöner Liederabend", schwärmte nach über 20 Liedern eine ältere Dame.

 

Mund musikalisch zu Recht voll genommen

Bei den Konzerten in der Martin-Luther-Kirche setzt die evangelische Kirchengemeinde Falkenstein auf Qualität, wie der Auftritt von «Voces Celestes» einmal mehr bewies.

Der Name des sechsköpfigen Ensembles legt die Messlatte sehr hoch. Doch «Voces Celestes», zu Deutsch «himmlische Stimmen», bereitete es hörbar keine Schwierigkeiten, dem selbst gesetzten Anspruch gerecht zu werden...Unter Leitung des Baritons und Philosophie-Doktoranden Fritz Krämer warteten die Sänger mit klarer Linienführung, geschmackvoller Phrasierung und einem weich fließenden Gesamtklang auf, der von der ersten Note an fesselte...Zu den exzellenten gesanglichen Leistungen der beiden Sopranistinnen Felicitas und Judith Erb, der Mezzosopranistin Anne Hartmann, den beiden Tenören Ingo Manuel Haberl und Roland Johannes, der auch die neue Truhenorgel der Kirchengemeinde sicher zu bedienen wusste, fügte sich das Theorben-Spiel des Lautenisten Ori Harmelin vorzüglich...Der spirituelle Gehalt schien im Gesang der «Voces Celestes» stilsicher und nuancenreich ausgeleuchtet.

29. August 2009
Frankfurter Neue Presse ( bol)

Liederabend - Judith Erb singt in der Zehntscheuer

Wunderschöne Kantilenen

MÜNSINGEN. Mit Schubert begannen Sopranistin Judith Erb und Klavierbegleiterin Doriana Tchakarova ihren Liederabend am Samstag in der Münsinger Zehntscheuer. Bereits in der »Forelle« und mehr noch im »Heideröslein« waren das hohe künstlerische Niveau, die intensive Gestaltung und das kongeniale Zusammenwirken zweier hoch begabter Individualistinnen zu erkennen in diesem Konzert auf Einladung der Gesellschaft der Musikfreunde.

Die Goethe-Vertonungen »Gretchen am Spinnrad« und »Musensohn« folgten. Der Charakter dieser Lieder, ihre Beredtheit, ihre Gegensätze, forderten die Interpretin, ihre ganze Stimme einzusetzen. Gefasst und leuchtend, auch im leidenschaftlichen Ausbruch, leicht und biegsam in den Höhenlagen, warm und mitreißend in der Mittellage, stets durchsichtig und farbig im Piano, gleicherweise durchdacht und natürlich - diese Stimme ist kaum beschreibbar.

Doriana Tchakarova fungiert als Begleiterin am Klavier, doch diese Aussage wird der Pianistin in keiner Weise gerecht. Sie ist es, die die jeweilige Gestaltungsidee des Duos initiiert, unterstreicht oder nachempfindet. Ihre führende Rolle ist spürbar, fein auf die Sängerin abgestimmt und doch klar ausformuliert und eigenständig.

Brahmslieder folgten, stilempfindsam gestaltet, romantisch in wunderschön ausgesungenen Kantilenen, die melancholische Grundstimmung vermittelnd. Bei Schumann überwog zierliche Leichtigkeit - etwa bei der Mörike-Vertonung »Der Gärtner« - und eine sympathische Portion Humor.

Mit den Liedern des eher weniger bekannten Komponisten Hugo Kaun bewies das Duo sein dramatisches Talent. Für die Sängerin bedeutete das höchste Sorgfalt für die sangliche Linie bei extremen Tonsprüngen, für die Pianistin Glitzerfundament für die Mondnacht, das Posthorn, den »Abendthau«.

Nach der Pause erklangen noch Lieder von Richard Strauss und Francis Poulenc. Als Zuhörer hatte man das Gefühl, die beiden Künstlerinnen wüchsen über sich hinaus. Fakt ist, dass sie sich bei diesen Herausforderungen erst richtig wohl zu fühlen schienen. Theatralisch dramatisch sind die einzig passenden Attribute für die Darbietung etwa des Strauss-Liedes »Schlechtes Wetter« oder den Airs chantés von Francis Poulenc nach Texten von Jean Moréas.

Der frenetische Beifall forderte Zugaben. Zuerst einmal Hugo Wolf, dann Zarah Leanders »Nur nicht aus Liebe weinen«, bestimmt noch nie so exzellent gehört wie vom Duo Judith Erb, Dorina Tchakarova.

Dienstag 14. Oktober 2008
Reutlinger Generalanzeiger (elk)

Mit träumerischer Fantasie

Romantische Lieder von Schubert, Brahms und Poulence mit Judith Erb und Doriana Tchakarova

Romantische Lieder von Schubert, Brahms und Poulence brachten musikalische Träumereien in die Zehntscheuer. Die Sopranistin Judith Erb überraschte mit jugendlichem Elan und warmer Stimme.

Boten in der Münsinger Zehntscheuer ein beeindruckendes Konzerterlebnis: Die Sopranistin Judith Erb und ihre Begleiterin Doriana Tchakarova.

Münsinger Musikfreunde hatten sich wieder einen kulturellen Leckerbissen ausgesucht: Mit der Sopranistin Judith Erb und ihrer Begleiterin am Flügel, Doriana Tchakarova bescherte der Verein seinem Publikum einen unvergesslichen Konzertabend.

Allein der bescheiden wirkende, aber mit viel Esprit ausgestattete Auftritt der beiden jungen Künstlerinnen war ein Hochgenuss, abgesehen von der hochqualifizierten durchgearbeiteten Liedkunst, die die beiden gekonnt in locker-leichter Manier servierten.

Beginnend mit Franz Schubert, der allseits bekannten "Forelle", dem "Heideröslein", "Gretchen am Spinnrad" bis zum "Musensohn" sprudelte der erste dargebotene Zyklus des Duos munter von der Bühne in das Publikum. In den Liedern aus der Schaffensperiode von Johannes Brahms zeigte Erb, dass sie nicht nur locker-leicht, sondern extrem variabel alle Stimmregister einer Sopranistin gut ausgestaltet und hervorragend träumerisch fantastisch verpackt einsetzten konnte. Eine Stimme dieser Art, die in den Höhen natürlich geblieben ist, kann man in heutiger Zeit selten genießen. Hervorzuheben, dass alles mit einer hervorragenden Begleitung durch die Pianistin Doriana Tchakarova verpackt wurde. Ein ganzes Erwachsenenleben spiegelten die gut ausgewählten Themenblöcke - vom Märchenlied, Mädchenlied über Schicksal zum Abschied und Tod.

Mit Robert Schumanns Liedschaffen - dem "Herzeleid", "Die Fensterscheibe" und "Der Gärtner" bis zu dem um die Jahrhundertwende bekannten Berliner Komponisten Hugo Kaun mit seinen Tonmalereien, alles übersprühte eine natürliche, willensdurchtränkte abgerundete Sopranstimme, die durchweg brillierte.

Kompliment den beiden Künstlerinnen und dem Veranstalter: Ein geglückter "Liederabend", der sich als ein beeindruckendes Konzerterlebnis entwickelte.

Dienstag 14. Oktober 2008
Albbote (Margarete Mai)

Artikel in Voller Länge lesen:

KRZ_09-09-08.pdf

Die Sopranistin Judith Erb aus Weil im Schönbuch hat ihre erste CD produziert

Eine Sängerin erzählt Geschichten.

... Die Sopranistin Judith Erb möchte Geschichten erzählen. Sie tut das in ihren Konzerten und auf ihrer Debüt-CD: Auf spannende und suggestive Weise erzählt sie von Liebe und Einsamkeit. Manche Geschichten sind nur einige Zeilen lang. Man höre die Schumann-Lieder ihrer CD!...

Dienstag 9. September 2008
Kreszeitung Böblingen

Ein würdiges Ganzes

Konzert – Händels „Messias“ mit der Betzinger Sängerschaft unter Martin Künstner in der Christuskirche

... auf das vorzügliche Solistenquartett, das die Aufführung geadelt hat... . Wobei die Gesangssolisten die größte Überraschung gewesen sind, denn nur selten hört man sie so gleichwertig und sich so hingebend in die Musik vertiefend. Judith Erb sang die E-Dur Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ innig und zart. Mit einem Sopran, der schlank und ebenmäßig aufblühen kann, der keine Schärfen kennt und bei dem jeder Ton auch ein Herz hat...

18. Dezember 2006
Reutlinger GEA ( hdw)

Halleluja: Erhabenheit, Größe und Zartheit

Ein grandioses Meisterwerk: Händels Oratorium „Der Messias“ erklang mit der Betzinger Sängerschaft als vielgestaltige Festmusik unter Leitung von Martin Künstner.

... Zartheit und vielgestaltigen Ausdruck steuerten die Gesangssolisten bei. Jeder für sich ein Könner seines Fachs, bildeten sie stilistisch ein heterogenes Bild: Die Soranistin Judith Erb kommt vom Lied und Oratorium her. … Ein zarter, ausdrucksstarker Zentralpunkt im dritten Teil: Judith Erbs Gestaltung der Arie: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, als makellos vorgetragenes und tief verinnerlichtes Bekenntnis der glücklichen Glaubensgewissheit…

18. Dezember 2006
Reutlinger Nachrichten (Susanne Eckstein)

Exquisite Gesangskunst

Zum letzten Konzert „Junge Interpreten“ vor der Sommerpause fanden nur wenige Musikliebhaber den Weg in den Kronensaal der Kreissparkasse. Diese wurden durch exquisite Gesangskunst belohnt. Die junge Sopranistin Judith Erb ... präsentierte sich schon als sehr ausgereifte künstlerische Persönlichkeit. ... Im Lied „Komm lieber Mai“ traf Erb den leichten Mozart-Ton mit heller Stimmfärbung geradezu ideal, ließ die Melodien in heiterer Gelassenheit dahinperlen und sorgte für ein unauffällig in den Klang integriertes Stimmtimbre. ... Im weiten Spannungsbogen zwischen verhaltenem Säuseln und dramatische Ausbrüchen demonstrieret sie mannigfach schimmernde Ausdrucksnuancen... . Technische souverän und im Anschlag differenziert begleitete die bulgarische Pianistin Doriana Tchakarova. ... Erb zelebrierte vokalen Wohllaut mit makelloser Legatokunst und gekonntem Registerausgleich.
... Die beiden jungen Musikerinnen ergänzten sich dabei ideal: Musikalische Perfektion und künstlerische Ausstrahlung verbanden sich zur Einheit und begeisterten das Publikum.

13. Mai 2006
Esslinger Zeitung (Rainer Kehlmayer)

Fesselnder Leidensweg

Chorkonzert – Philharmonia–Chor und Sinfonietta Tübingen glänzen mit vielfarbiger Johannes-Passion. Junge Solisten und ein brillanter Lehrmeister gehen im Geschehen auf.

… Sopranistin Judith Erb färbt ihre Wehmut mit runder, voller Stimme süß. …

27. März 2006
Reutlinger General-Anzeiger (Markus Pfisterer)

Bedrohlich dreht sich das Rad des Schicksals

Konzert- Philharmonia-Chor und Sinfonietta präsentieren schlagkräftige „Carmina burana“ in der Listhalle

…Mit den drei Solisten hatte Martin Künstner ein glückliches Händchen. Judith Erbs traumhaft hoher Sopran kam in „Dulcissime“ (Süßester) wunderschön zur Geltung. …

02. November 2004
Reutlinger Generalanzeiger (GEA)

Junge Talente im Schloss Magenheim

Meisterschüler von Professor Pfeiffer sangen Klavierlieder

Eine ganz andere Art des Singens präsentierte die Sopranistin Judith Erb. In passend lichtem Outfit und zart mitempfindendem Vortrag sang sie, von Doariana Tchakarova empfindsam am Klavier begleitet, jedes Lied aus dem Eichendorff-Kreis von Robert Schumann. Ob Naturlied oder Stimmung, die Zartheit des Liedvortrags, in der trotzdem dynamisiert wurde, sowie ein feines Vibrato machen Judith Erb´ s Stimme edel klingend. Sie schien als Sängerin für Lieder der Romantik besonders geeignet zu sein.

23. März 2004
Bietigheimer Zeitung (Helmut Müller)

Lebendige Musikgeschichte

Musiktage Bad Urach: Eröffnung mit Kurt Pahlens Vortrag

… Doriana Tchakarova war bei diesem Lied eine brillante, wie mit Champagner in den Fingern musizierende Begleiterin am Flügel, die auch sonst durch ihre Prägnanz und Feinheit und ihre produktive Musikalität als Überraschung des Abends gelten durfte. Als Frau hat sie sich nachdrücklich in die Männer-Riege der Uracher Klavierbegleiter hineingespielt.

30. September 2000
Reutlinger Generalanzeiger (hdw)

Glanzvolle Übereinstimmung von Wollen und Tun

„Carmina Burana“ – Aufführung in Bad Wimpfen übertraf alle Erwartungen – „Cantus Juvenis“ intonierte mit Gefühl und Können

… und schließlich Judith Erb (Sopran) – sie jubilierte ihre höchste Hingabe im Liebeshof orgastisch in nie gehörte Stimmhöhen, bravissimo. …

28. Juni 2000
Rhein-Neckar-Zeitung (Hans D. Eßlinger)